Was ist Traumatherapie?

Der Begriff Traumatherapie ist die Bezeichnung  bestimmter psychotherapeutischen Methoden. So, wie bei Zahnschmerzen keine Massage hilft, so braucht es für Traumafolgen eine bestimmte Art der Behandlung. Reden alleine hilft hier nicht, auch heilt eine Verhaltenstherapie nicht die neurologischen tiefgreifenden Veränderungen im Gehirn.
Bessel van der Kolk fordert eine „limbische Therapie“ für Traumafolgen. Damit ist gemeint, dass bestimmte Therapieformen unmittelbar mit der Emotionsverarbeitung/- speicherung im limbischen System arbeiten.  Denken Sie daran, unser Hirn ist plastisch, ändert sich laufend und wir können es jederzeit gezielt umstrukturieren!
Fast alle Menschen schützen sich instinktiv während des traumatischen Ereignisses mit Hilfe eines Mechanismus, der Dissoziation genannt wird. Mit diesem Schutzmechanismus ist unsere Seele in der Lage, verschiedene Bereiche des Erlebens, wie z. B. Handeln und Fühlen, voneinander zu trennen. Das hilft zwar beim Überleben, solange aber die Trennung fortbesteht, findet keine Integration der traumatischen Erfahrung statt. Einerseits möchten unser Körper, unser Geist und unsere Seele Heilung und Ganzheit, andererseits laufen die traumabezogenen automatischen neuronalen Muster ab, die die Trennung = Überlebensmodus aufrechterhalten. Durch gezielte Arbeit unmittelbar mit dem limbischen System, werden die traumabezogenen neuronalen Muster verändert. Die traumatische Erfahrung, die bislang nicht in das Leben integriert war und immer wieder z.B. das Gefühl von Überwältigung oder Trennung oder Alleingelassensein hervorgerufen hat, wird mit größerer Distanz betrachtet und kann schließlich als eine Erfahrung im Lebenskontext eingeordnet werden. Dies gilt sowohl für verborgene als bekannte Traumata. Als Folge der Verarbeitung und Heilung können sich somatische Beschwerdebilder ändern.

Die traumatherpeutischen Methoden, die ich erlernt habe, sind das Comprehensive Ressource Model (CRM), das die amerikanische Psychotherapeutin Lisa Schwarz entwickelt hat sowie die Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie (PITT) von Luise Reddemann (lesen Sie hier weiter zu den Therapiemethoden…….).

Öffnen Sie die Schranke !

Ich möchte folgendes hinzufügen:

Psychische Erkrankungen sind in Deutschland immer noch schambehaftet, viele Menschen fühlen sich stigmatisiert durch eine seelische Krankheit. Auch wenn es immer wieder prominente Beispiele für eine seelische Erkrankung gibt und wenn mittlerweile relativ bekannt sein dürfte, dass ca. jede/r 5. Deutsche/r mindestens einmal im Leben an Depressionen leidet, empfinden viele der Menschen, die zu mir in die Praxis kommen, es als Niederlage, es nicht alleine zu schaffen und Hilfe suchen zu müssen. Oft haben sie so lange gewartet, bis sie tatsächlich zusammenbrechen und wirklich nicht mehr weiter können und wissen. Ich möchte Sie bitten, es nicht so weit kommen zu lassen.
Niemand hat Probleme damit, wegen eines komplizerten Trümmerbruchs eine Klinik aufzusuchen, sich operieren zu lassen und dananch für einen längeren Aufenthalt in einer Rehaklinik krank geschrieben zu sein. Wenn unsere Seele und unser Geist aber einen Bruch oder sogar einen Trümmerbruch erleiden, dann lässt sich das nicht sehen und auf dem Röntgenbild feststellen, dann gibt es kein Handbuch, bei dessen Befolgung die Wahrscheinlichkeit, dass alles  innerhalb eines bestimmbaren, relativ kurzen Zeitraums wieder zusammenwächst, gewährleistet ist.
Mit Trauma wird gemeinhin etwas ganz Furchtbares verbunden und niemand möchte sich bekennen, etwas ganz Furchbares erlebt zu haben – Scham ist eine ständige Begleiterin gerade bei Traumatisierungen. Und eine Traumatherapie in Anspruch nehmen zu wollen/müssen, wird möglicherweise noch negativer gesehen als eine „normale“ Psychotherapie. Dennoch: je eher Sie sich eingestehen, dass Sie alleine nicht mehr weiter kommen und sich aufmachen, kompetente Unterstützung zu suchen, desto früher werden Sie wieder ein unbeschwerteres, freieres Leben führen.

Der erste Schritt jeder Heilung:

„Gib Worte deinem Schmerz. Gram, der nicht spricht,
Presst das beladne Herz, bis dass es bricht.“
William Shakespeare, Macbeth.